"Oral-History.Digital" - Informationsinfrastruktur für die Erschließung, Recherche und Annotation von audiovisuellen narrativen Interviews
Projektlaufzeit: 2020 – 2023
Projektpartner:
- Prof. Dr. Andreas Henrich, Lehrstuhl für Medieninformatik an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (UniBA)
- Dr. Almut Leh, Archiv Deutsches Gedächtnis im Institut für Geschichte und Biographie der FernUniversität in Hagen (FeU)
- Prof. Dr. Julia Obertreis, Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der FAU Erlangen-Nürnberg (FAU)
- PD Dr. habil. Dr.-Ing. Florian Schiel, Bayerisches Archiv für Sprachsignale der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU)
- Dr. Linde Apel, Werkstatt der Erinnerung (WdE) an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg
Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 437972564
Projektwebseite: http://oral-history.digital/
Projektbeschreibung
Das Projekt Oral-History.Digital konzipiert und implementiert eine digitale Informationsinfrastruktur für wissenschaftliche Sammlungen von audiovisuell aufgezeichneten narrativen Interviews, v.a. für die zeitgeschichtliche Forschung. Die Arbeitsumgebung unterstützt sammelnde Institutionen und Forschungsprojekte bei der Archivierung, Erschließung und Bereitstellung sowie der sammlungsübergreifenden Recherche, Annotation und Auswertung.
Interviewprojekte können Audio- und Video-Interviews mit zugehörigen Transkripten, Biographien, Bildern etc. einstellen, bearbeiten und mittels einer differenzierten Nutzerverwaltung den wissenschaftlichen Communities zugänglich machen. Das konfigurierbare Set von teils bewährten, teils neu entwickelten Werkzeugen unterstützt die mit den Interviews arbeitenden Forscher/innen bei der sammlungsübergreifenden Suche über Metadaten und timecodierte Volltexte und bei der Annotation von Suchergebnissen.
Die Infrastruktur umfasst ein Metadaten-Repositorium, einen Medienserver für Transkodierung und Streaming, eine Erschließungsumgebung mit Werkzeugen zur Transkription, Alignierung und Indexierung und eine Rechercheumgebung mit sammlungsübergreifender Suche. Die Modellierung und Zusammenführung heterogener Bestände erfolgt mit Hilfe des DARIAH-DE Data Modeling Environment. Ein differenziertes Rechtemanagement schützt die Persönlichkeitsrechte der Interviewten. Durch standardisierte Metadatenformate und automatisches Harvesting sichert Oral-History.Digital die Sichtbarkeit der Sammlungen. Die Langzeitarchivierung wird mit Persistent Identifiers über CLARIN gewährleistet die dauerhafte Verfügbarkeit der Interviews.
Mit dem Center für Digitale Systeme an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, dem Archiv Deutsches Gedächtnis der FernUniversität in Hagen und der Werkstatt der Erinnerung an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg bringen die größten Oral History-Einrichtungen in Deutschland ihre umfangreichen Sammlungsbestände in eine gemeinsame Forschungsinfrastruktur ein. Sie nutzen ihre langjährigen Erfahrungen, ihre vorhandene Software-Basis und ihre Vernetzung in der Fachcommunity für die breite Erprobung und nachhaltige Nutzung der Erschließungs- und Rechercheumgebung.
An der Universität Erlangen-Nürnberg wird diese fachspezifische Informationsinfrastruktur für komparative Studien zur Oral History der Migration erprobt. Das Bayerische Archiv für Sprachsignale der Universität München gewährleistet die Langzeitarchivierung und das Metadaten-Harvesting und unterstützt die Interviewerschließung und -analyse mit linguistischer Expertise und Software. Der Lehrstuhl für Medieninformatik der Universität Bamberg verantwortet die Datenmodellierung und unterstützt die Arbeiten zu Suchfunktionalitäten und Rechtemanagement. Weitere Forscher/innen aus der Linguistik, der Sozialwissenschaft, der Bildungswissenschaft und der Anthropologie evaluieren das zukünftige Potenzial von Oral History-Interviews für die Forschung anderer Disziplinen.
Das Projekt wird von 1.10.2020 bis 30.9.2023 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.
Projektleitung:
Dr. Cord Pagenstecher, Dr. Andreas Brandtner
Projektmitarbeiter/innen:
- Marc Altmann
- Christian Gregor (freier Mitarbeiter)
- Dr. Tobias Kilgus
- Herdis Kley
- Philipp Linß (studentische Hilfskraft)