Online-Lehre an der Freien Universität: Praxistipp 9 (Online-Betreuung)

News vom 14.01.2021

Liebe Lehrende,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir hoffen, dass Sie gut ins neue Jahr gestartet sind und wünschen Ihnen alles Gute für 2021! Als eine Herausforderung der letzten Monate kristallisierte sich die Betreuung der Studierenden im Online-Raum heraus. Die Gründe sind vielfältig: Räumliche Distanz und fehlende soziale Präsenz, geringe Selbstlernkompetenzen, fehlende Anreize zur Beteiligung, (dominierendes) Verhalten anderer, ein Überangebot an Informationen oder technische Probleme können kommunikative Hürden bilden.

Im aktuellen Praxistipp werfen wir daher nochmals einen gesonderten Blick auf die Betreuung im Online-Raum (die sog. E-Moderation) und schauen, wie Interaktion und Beteiligung gefördert werden können. In dieser Woche geht es speziell um Aspekte, auf die bei der Betreuung asynchroner Lernaktivitäten zu achten ist (z. B. in Foren, Blogs, Wikis); der darauffolgende Tipp behandelt synchrone Kommunikationssettings (Webex, Chats).

Praxistipp 9

E-Moderation: Die Rolle der Lehrperson
 

Kommunikationswerkzeuge und Online-Lernmedien sind keine Selbstläufer. Die Online-Betreuung durch die Lehrperson ist essentiell für das Gelingen digitaler Lehre. So reicht die alleinige Bereitstellung von Lernmaterialien und Kommunikationstools mit dazugehörigen Aufforderungen wie bspw. "Diskutieren Sie dies bitte im Forum" nicht aus, um einen Austausch in Gang zu bringen, Studierende zum Mitmachen anzuregen oder Gruppenarbeiten zu initiieren (s. u.). Was aber steckt hinter dem Begriff „E-Moderation“ und welche Betreuungsbereiche sind damit verbunden?

E-Moderation ist die ziel- bzw. curriculumsorientierte Steuerung und Leitung der Kommunikation und des Austauschs von Lern- und Arbeitsgruppen“.

(M. Ebner et al. (2013). Kommunikation und Moderation. IN M. Ebner & S. Schön (Hrsg.) Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien, 2. Auflage, epubli gmbH Berlin).

Verbunden sind damit

  • organisatorisch-administrative Aufgaben
  • motivational-soziale Aufgaben (z. B. Förderung des eigenverantwortlichen Lernens, Impulse zur aktiven Teilnahme, Schaffen einer positiven Lernatmosphäre, Begleitung der Gruppenprozesse)
  • didaktisch-vermittelnde Aufgaben (z. B. Anstoß der Lernprozesse, Lernhilfen)
  • fachliche Aufgaben (z. B. inhaltliche Betreuung der Studierenden, Bereitstellung von Zusammenfassungen)

Diese Aufgaben sind je nach Szenario, Voraussetzungen der Studierenden oder Veranstaltungsfortschritt unterschiedlich gewichtet. Sind mehrere Betreuungspersonen vorhanden, empfiehlt sich eine klare Aufgabenteilung (z. B. Fachtutor/in, Gruppentutor/in).

Siehe auch „Bedeutung der Teletutoriellen Betreuung“ (PDF)

Asynchrone Online-Lernaktivitäten betreuen (Forum, Blog, Wiki)
1. Günstige Ausgangsbedingungen schaffen
 

Zum Gelingen der Online-Kommunikation ist es hilfreich, folgende Aspekte zu berücksichtigen:

  • Werkzeug einrichten: Eine inhaltliche Grundstruktur erleichtert es den Teilnehmenden, sich aktiv zu beteiligen und eigene Inhalte einzustellen; leere Seiten oder bereits ausformulierte Inhalte sind dagegen wenig aktivierend.
  • Ziele/Abfolge planen: Was soll am Ende der Sitzung erreicht werden? Wie?
  • Mehrwert deutlich machen, rechtzeitig über den Einsatz informieren, Studierende mit der Technik vertraut machen (Testbereich anlegen, Start-Tipps geben)
  • „Kommunikationsregeln“ vereinbaren (z. B. Länge/Form der Beiträge, Mindestanzahl, Verhalten): In Online-Lerngemeinschaften gibt es häufig „passive“ Teilnehmende, die alles lesen, sich aber nicht aktiv beteiligen und keine Beiträge einstellen. Um eine gleichberechtigte Beteiligung zu gewährleisten, empfiehlt sich die gemeinsame Entwicklung von „Spielregeln“.
2. Einstieg: Die Diskussion und die Mitarbeit initiieren
 

Um den Austausch anzuregen, bieten sich folgende Schritte an:

  • Erwartungen, Zwischen- und Endziele klar kommunizieren.
  • Diskussionsförderliches Klima schaffen: die „Soziale Präsenz“ unterstützen und die Bildung einer Online-Gemeinschaft fördern(die kollektive Arbeit im Wiki, ein Erfahrungsaustausch im Blog oder eine interessensgeleitete Diskussion im Forum fördert die Entstehung eine Community mit einem gemeinsamen Ziel, was zu einer höheren Beteiligung führt)
  • Zu Beginn die Beteiligung der Studierenden höher werten als die Qualität der Beiträge: Eine zu kritische Antwort in der Anfangsphase vermittelt den Studierenden das Gefühl, dass die Beteiligung „riskant“ ist.
  • Klare Kommunikationsanlässe schaffen: Eine Aufforderung wie "Diskutieren Sie den Text bitte im Forum" (s.o.) reicht nicht aus. Eine solch schlichte Aufforderung zur Kommunikation bleibt oft ohne Feedback und ist wenig geeignet, kommunikative Lernprozesse in Gang zu setzen, die darauf ausgerichtet sind, bestimmte Lernziele zu erreichen. Kommunikative Lernprozesse im Online-Raum werden vor allem durch konkrete Lernaufgaben geschaffen.
  • Aufgaben gut strukturieren und im digitalen Raum nicht zu komplex gestalten.
3. Durchführung: Die Diskussion und die Mitarbeit am Laufen halten
 

Kommunikations- und Kooperationswerkzeuge wie Foren, Blogs oder Wikis leben von der aktiven Mitwirkung der Teilnehmenden und bedürfen einiger Aktivitäten, um aufrecht gehalten zu werden:

  • Anlässe zur weiteren Teilnahme schaffen (neue Impulse setzen, Reflexion fördern, widersprüchliche Ansichten aufzeigen)
  • Verbindlichkeit schaffen (z. B. Anzahl von Mindestbeiträgen, aktive Beteiligung für die Vergabe)
  • Zeitnah Feedback geben (innerhalb von 24 bis 48 Std.). TIPP: Sie können sich per E-Mail benachrichtigen lassen, wenn ein neuer Beitrag veröffentlicht wurde.
  • Wertschätzungfür die Beiträge geben, negative Kritik im öffentlichen Raum meiden (hierfür E-Mail nutzen)
  • Übersichtlichkeit schaffen (z. B. zu jedem Themenabschnitt ein Forum, eine Blog-Kategorie, eine Wiki-Seite) und Inhalte stetig aktualisieren.
  • In neue Themen kurz einführen, inhaltliche Bezüge zwischen den Beiträgen herstellen und die Diskussion am Ende eines thematischen Blocks zusammenfassen (lassen).
  • Für gutes Gruppenklima sorgen (Gemeinschaftsgefühl aufbauen, die rein „Zuschauenden“ zur aktiven Teilnahme motivieren)
  • Falls keine Beiträge kommen: Gründe erfragen, gezielt Teilnehmende anschreiben; wenn gar nichts geht: Einsatzszenario überdenken.
4. Abschluss: Die Diskussion beenden und nachbereiten
 
  • Studierende informieren, dass die Aktivität / moderierte Diskussion bald beendet wird
  • Ergebnisse zusammenfassen (lassen)
  • Weitere Verwendung der Arbeitsergebnisse klären (z. B. Vorarbeit für Klausur, Grundlage für neue Inhaltsseite, Veröffentlichung)
  • Hinweise auf Materialien zur Vertiefung geben
  • Feedback einholen
Checkliste zum Ausdrucken

In Form einer Checkliste fasst das nachfolgende Dokument die obigen Punkte zusammen und gibt einen Überblick, auf was bei der Moderation und Betreuung asynchroner Lernaktivitäten im Online-Raum zu achten ist.

>> Checkliste zur Betreuung asynchroner Lernaktivitäten (PDF)
Im kommenden Praxistipp: Online-Betreuung von synchronen Lernaktivitäten via Webex, Chat & Co.

Bildquellen: Alexander Sperl: 83 und 70 freie Illustrationen für E-Learning-Materialien; CC BY-SA 4.0

Sie haben eine Frage? Schreiben Sie gerne an digitale-lehre@fu-berlin.de oder teilen Sie Ihre Erfahrungen im Community-Blog.

Ihr Center für Digitale Systeme (CeDiS) an der Universitätsbibliothek

Consulting & Support

Consulting
Vom CeDiS Consulting erhalten Sie individuelle Beratung und Unterstützung bei der Konzeption Ihrer digitalen Lehr- und Forschungsvorhaben. 
Kontakt: consulting@cedis.fu-berlin.de

Support
Der CeDiS Support beantwortet Ihre Nutzeranfragen zur Bedienung der folgenden zentralen Systeme der Freien Universität: Blackboard, CMS, FU-Wikis, FU-Blogs.
Kontakt: support@cedis.fu-berlin.de
Hotline: +49 30 838-54900 (Mo–Fr: 11–13 und 14–17 Uhr)