Lehre in der (Post-)Pandemie: Praxistipp 5 - Pandemiebewährte Online-Szenarien für die Präsenzlehre. Studentische Gruppenarbeit und Interaktion

23.11.2021

Lehre in der (Post-)Pandemie: Praxistipp 5 - Pandemiebewährte Online-Szenarien für die Präsenzlehre. Studentische Gruppenarbeit und Interaktion

Liebe Lehrende,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Steigen Sie nicht blindlings wieder in die Präsenzlehre ein. Prüfen Sie, bei welchen Formaten es sich lohnt sie online beizubehalten.“

Dieser Tipp stammt von einer Lehrperson, die im September an der CeDiS-Veranstaltung "Lehre in der (Post-)Pandemie - Digital, Hybrid, Blended, Präsenz?" teilgenommen hat. Welche Online-Lehrszenarien haben die Lehrenden während der Pandemie erprobt, welche haben sich besonders bewährt - und bieten Potential auch im Kontext der Präsenzlehre? Diese Fragen haben insgesamt 250 Lehrende im Rahmen von 13 Veranstaltungen an fast allen Fachbereichen, Zentralinstituten und einer Zentraleinrichtung der Freien Universität rege diskutiert. Angesichts des "digitalen Schubs" der vergangenen Semester, der vielfältigen Erfahrungen und neu aufgebauten Kompetenzen erscheint es vielversprechend, nicht nur die wiedergewonnenen Vorteile der Präsenzlehre zu schätzen, sondern die Potentiale beider Welten auszuschöpfen und so die Lehre langfristig zu bereichern und weiterzuentwickeln.

In diesem Praxistipp möchten wir Ihnen einige der von Lehrenden eingebrachten Szenarien vorstellen. Wir fokussieren dabei auf ein Thema, das für viele Lehrende eine wichtige Rolle spielt: Gruppenarbeit und Interaktion zwischen und mit Studierenden.

Praxistipp diese Woche: Pandemiebewährte Online-Szenarien für die Präsenzlehre nutzen. Studentische Gruppenarbeit und Interaktion

Aktivierung durch Gruppenarbeit in großen Lehrveranstaltungen
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Präsenz wie Online - gerade bei Veranstaltungen mit sehr vielen Studierenden ist es wichtig, diese durch gezielte Aktivierung aus der "Konsumentenrolle" herauszuholen und z. B. kurze Reflexionen über den gehörten Lernstoff anzuregen. Im vollbesetzten Hörsaal sind hier die Möglichkeiten - abgesehen von niedrigschwelligen Methoden wie Murmelgruppen - begrenzt: Kurze Phasen der Gruppenarbeit wären durch Raumwechsel und Gruppenfindung mit einem hohen Zeitaufwand verbunden und sind aufgrund der räumlichen Gegebenheiten meist gar nicht möglich. Das Einschieben einzelner Online-Sitzungen per Webex Meetings in ansonsten in Präsenz stattfindenden großen Lehrveranstaltungen bietet hier hingegen die Möglichkeit, per Breakout Rooms zeitsparend kurze Gruppenarbeiten einzuflechten.

Lehrende berichten von positiven Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Veranstaltung, da die Studierenden sich durch die Gruppenarbeit kennenlernen und dadurch Hemmungen verlieren, sich auch im großen Plenum zu Wort zu melden. Darüber hinaus kann es motivierend wirken, die Studierenden in den Breakout Rooms an einem gemeinsamen Dokument oder in einem Wiki arbeiten zu lassen - auch dies ist in Präsenz nicht ohne Weiteres zu realisieren.

Gruppenarbeiten betreuen über Webex-Teilgruppen

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Auch bei sehr betreuungsintensiven Formaten haben sich Teilgruppen in Webex Meetings bewährt. So berichten Lehrende bspw. über das Bearbeiten von Programmieraufgaben in studentischen Kleingruppen, dass die Betreuung in Breakout Rooms deutlich besser und direkter als in Präsenz erfolgen kann. Von Vorteil ist dabei insbesondere, dass die Lehrperson den aktuellen Unterstützungsbedarf der einzelnen Gruppen jederzeit im Blick hat und ohne Zeitverzug einer Gruppe beitreten kann. Je nach individuellem Veranstaltungskonzept kann die Umsetzung der gesamten Veranstaltung oder einzelner Termine per Webex Meetings erwogen werden.

Kollaboratives Schreiben (oder andere Formen der Gruppenarbeit)
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Für semesterbegleitende kollaborative Arbeiten unterschiedlicher Art bietet sich auch bei weitgehender Präsenzlehre die Nutzung digitaler Werkzeuge an. Die Arbeiten werden im jeweiligen Medium erstellt bzw. gesammelt und können von den Studierenden für den weiteren Verlauf des Semesters genutzt werden. Dabei muss es sich nicht ausschließlich um Texte handeln - auch Podcasts, vertonte Präsentationen oder Videos können die Auseinandersetzung mit einem Thema dokumentieren und gemeinschaftlich erarbeitet werden. Diese Formate werden von Studierenden sehr gut angenommen, so die Erfahrung vieler Lehrender. Die Arbeitsphasen können asynchron und/oder synchron (in Präsenztreffen oder per Webex) mit anschließender Präsentation und Diskussion in der Veranstaltung durchgeführt werden. Als sehr fruchtbar für die Seminardiskussion hat es sich erwiesen, die Ergebnisse bereits vorab für alle Studierenden zur Verfügung zu stellen.

Studierende geben und erhalten online Feedback

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Studierende profitieren sowohl von der Auseinandersetzung mit den Arbeiten ihrer Mitstudierenden als auch von konstruktivem und fundiertem Feedback. Die Methode des Online-Peer-Feedback vereint beide Aspekte und ermöglicht den Studierenden nicht nur ihre fachlichen, sondern auch ihre sozialen Kompetenzen weiterzuentwickeln. Online-Peer-Feedback-Verfahren fördern zudem die studentische Motivation, so schilderten Lehrende ihre Erfahrungen. Dabei werden, oft im Rahmen von Gruppenarbeiten, zunächst digitale Arbeitsergebnisse erstellt (Texte, Podcasts u. a. m.). Diese werden auf einer geeigneten Plattform - das kann z. B. die Lernplattform oder auch ein Wiki sein - zur Verfügung gestellt und einem angeleiteten Review-Prozess durch andere Studierende bzw. Gruppen unterzogen. Auf der Grundlage der Rückmeldungen werden die eingereichten Produkte überarbeitet und erneut bereitgestellt. Dieser Online-Peer-Feedback-Zyklus kann einmalig durchlaufen oder auch über die Dauer eines Semesters mehrere Male wiederholt werden.

Studierende übernehmen die Moderationsrolle

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Studierende können - einzeln oder im Team - im Rahmen von Online- oder Hybrid-Sitzungen einen Teil der Moderation übernehmen und damit die Interaktion zwischen Studierenden und Lehrperson bzw. verschiedenen Studierendengruppen unterstützen. Gerade die Moderation hybrider Lehrszenarien (Gleichzeitigkeit von Präsenz und Live-Übertragung) ist sehr anspruchsvoll und von einer einzelnen Lehrperson in der Regel nicht zu leisten. Der häufige Rat, eine zweite Person hinzuzuziehen, die die Chatbeiträge und Wortmeldungen aus dem Online-Raum sowie eine gleichberechtigte Teilnahme der Online- und Präsenz-Teilnehmenden im Blick behält, ist meist nicht ohne Weiteres umsetzbar. Im Zuge der pandemiebedingten Online-Lehre haben viele Lehrende positive Erfahrungen damit gemacht, Studierenden diese Rolle zu übertragen. Auf diese Weise können die Anforderungen an die Lehrenden reduziert und gleichzeitig die Medien- und Moderationskompetenzen auf Seiten der Studierenden gefördert werden.

Bildquellen: CeDiS und Alexander Sperl: 83 und 70 freie Illustrationen für E-Learning-Materialien; CC BY-SA 4.0

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